Wanderung von Emmelshausen nach Boppard
notiert von Hotti

14. August 2016


Unsere Wanderung im August war im Vorfeld eine Wanderung der vielen Gedanken. Sollten es 17 oder nur 9 Kilometer werden. Sind die ersten 8 Kilometer dieser Tour es wert, sie tatsächlich unter die Füße zu nehmen? Um es vorweg zu nehmen, ja, jeder Meter war es wert zu laufen.

Wie bei jeder Wanderung gibt es immer wieder Wegabschnitte, die nicht so toll sind und Abschnitte die besonders toll sind. Wenn daraus eine Mischung wird, so wie bei dieser Wanderung, dann sollte eine Tour auch in der Gesamtheit gewandert werden.

Faszinierend ist auch, wie sehr sich eine Strecke beim zweiten Laufen vom ersten Mal unterscheiden kann. Klar, wenn man irgendwo das erste Mal ist, nimmt man die Landschaft anders wahr. Gerade bei einer Vorwanderung ist man mehr konzentriert auf Wegweiser.

Da läuft es sich dann schon entspannter bei der Wiederholung.

Doch die Vorwanderung unterschied sich durchaus von der Streetmillboys-Wanderung. Bei der Vorwanderung hatten wir die Bahn von Mainz aus genutzt, hatten dann in Boppard einen etwas längeren Aufenthalt und hatten zum Ende der Tour hin etwas Stress, da wir die Regionalbahn zurück nach Mainz noch erwischen wollten. Dau hatten wir sogar die Wanderung gekürzt.

Die Vorwanderung hatten wir an einem Samstag gemacht. Da die Strecke in der Nähe einer Bundesstraße verläuft war es relativ laut.

Kurz beschrieben konnte man diese Tour in drei Abschnitte einteilen. Schön, nicht ganz so schön, wunderschön. Doch am 14. August 2016 gab es dann kein nicht ganz so schön mehr.

Aber jetzt mal von vorne.

Die Tour begann zunächst mit einer etwas längeren Auto-Anfahrt bis nach Boppard. Bis hierhin waren wir zu dritt. Zwei weitere sollten in Boppard am Bahnhof zu unserer Gruppe stoßen.

Von Mainz aus brauchten wir knappe 50 Minuten bis Boppard. Ein kostenloser Parkplatz in Bahnhofsnähe war rasch gefunden. Nach fünf Minuten hatten wir auch schon den Bahnhof erreicht, wo uns bereits einer der beiden Wanderer erwartete.

Die erste Herausforderung bestand darin, die Fahrkarten zu kaufen. Doch noch nicht für uns. Erst einmal war eine andere Wandergruppe vor Ort, die sich am Fahrkartenautomaten mit dem Erwerb von Gruppenfahrkarten versuchte. Da dieser Vorgang offensichtlich noch längere Zeit beanspruchen würde, entschied ich kurzerhand, den Fahrkartenautomaten im inzwischen bereitstehenden Zug zu nutzen.

Rasch war die Karte gelöst. Auch die drei anderen Wanderer unserer Gruppe hatten sich für diese Lösung entschieden.

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Die kleine Kapelle lud zur Besichtigung ein

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Bach und Fussgänger teilen sich den Weg

Fehlte noch unser letzter Wanderer, der sich zwischenzeitlich per Email gemeldet hatte, dass er sich verfahren habe und es nicht mehr schaffen würde. Damit war unsere Sorge umsonst. Wobei ich diese Nachricht erst während der Bahnfahrt erhalten und gelesen hatte. Gut, dass ich auf die Idee gekommen war, einen Blick in mein Email-Postfach zu werfen.

Kurz vor Abfahrt erschien dann auch glücklicherweise der Triebfahrzeugführer. Die Zugbegleiterin kommentierte sein Eintreffen mit der Aussage: Ach, da ist er ja. Ich dachte schon, er wäre verschollen.

Pünktlich setzte sich der Zug Richtung Emmelshausen in Bewegung und brachte uns in die Höhe. Wir befanden uns auf einer der steilsten Steilstrecken Deutschlands. Während der Fahrt konnten wir bereits erkennen, was uns bei unserer Wanderung erwarten würde. Und das, was wir da sahen, das war toll. Dies wiederum versprach uns schon jetzt, dass wir eine schöne Wanderung erleben würden.

Im Gegensatz zur Vorwanderung war die Bahn dieses Mal sehr gut besetzt. Mountainbiker und Wanderer teilten sich den Zug. Ich hatte schon meine Befürchtung, dass wir eine Massenwanderung nach Boppard haben würden.

Aber, die meisten Mountainbiker verließen die Bahn bereits in Buchholz, sicher um im Bopparder Stadtwald ihre Runden zu drehen.

Die große Wandergruppe stieg am nächsten Haltepunkt aus, so dass nur noch ein Bruchteil an Menschen übrig geblieben war.

Nach ungefähr 25 Minuten Fahrt ab Boppard waren wir in Emmelshausen eingetroffen.

Einige Mountainbiker machten sich sogleich auf den Weg in alle Richtungen, nur nicht in unsere.

Der schöne Tag konnte beginnen! Zunächst führte unsere Wanderung wenige Meter an der wenig befahrenen Straße entlang, doch schon nach wenigen Schritten tauchten wir ein in die Wege des Hunsrückbahnwanderweges, der meist in der Nähe der Bahnstrecke entlang führte. Begegnung Nummer eins mit der Bahn, die auf der Fahrt zurück nach Boppard war.

Ein erster Abstecher brachte uns zu einer kleinen Kapelle, die es zu besichtigen galt. Aufgefallen war uns bereits in Emmelshausen ein Wanderer mit einer kleinen Plastiktüte in der er eine 0,5 Liter Flasche Apfelsaftschorle transportierte. Warum schleppe ich eigentlich immer so viel mit mir rum?

Diesem Wanderer sollten wir während unserer Tour noch mehrfach begegnen. Ebenso einem netten Ehepaar, welches sich fast Zeitgleich mit uns auf den Weg gemacht hatte.

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Bei den Streetmillboys liegen Kleingruppenwanderungen voll im Trend

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Da fährt sie hin, die Bahn nach Emmelshausen

Nach dem Besuch des kleinen Kappelchens wussten wir ja nun schon wie es weiter ging. Bei der Vorwanderung war uns das nicht klar, so dass wir damals falsch abgebogen waren.

Ein Höhepunkt auf diesem ersten Abschnitt unserer Tour war eine Brücke, unter der wir hindurch wanderten, welche wir uns mit einem kleinen Bach teilten. Heute war es ein gemütliches Rinnsal, doch das konnte auch ganz anders aussehen, wie wir berichten konnten.

Nach dem passieren der Unterführung kamen wir bereits zur ersten Steigung, die uns nach rechts führte und dann steil nach oben ging. Jetzt waren wir wieder in etwa auf der Höhe des Bahndamms.

Über einen Feld- und Wiesenweg wanderten wir weiter und hatten rasch den Haltepunkt Ehr erreicht. Wenig später dann auch bereits die erste Aussichtsstelle auf die Bahnstrecke.

An jedem dieser Aussichtsstellen hing der Bahnfahrplan aus, um sich dort für schöne Fotos zu positionieren. Der Blick auf den Fahrplan sagte, dass in wenigen Minuten die Bahn eintreffen würde.

Begegnung Nummer zwei mit der Bahn auf der Fahrt nach Emmelshausen. Von der Brücke aus führte unsere Wanderung nun ein wenig ins Tal hinab an einem kleinen Flüsschen vorbei und dann wieder etwas nach oben.

Oben angekommen hatten wir wieder die Begegnung mit dem eingangs erwähnten Tütenwanderer und dem Ehepaar, die am Straßenrand standen und sich unterhielten.

Wir grüßten und zogen weiter unseres Weges. Zwischenzeitlich sauste die Bahn schon wieder an uns vorbei Richtung Boppard.

Für uns war es an der Zeit für eine erste längere Rast. Hierzu bot sich eine Tischgruppe an, die wir direkt belegten.

Gerade hatten wir begonnen unsere Vesper zu verzehren, da kamen die inzwischen drei vereinten Wanderer von eben aus dem Wald. Ein kurzes Gespräch und schon waren sie weiter gezogen.

Wir wollten vor unserem Aufbruch eigentlich noch die nächste Bahn abwarten, was uns aber nicht gelang. Hatte sie Verspätung? Kaum waren wir nach oben gelaufen, da tauchte sie dann doch auf. Es reichte gerade noch für ein Foto aus der Ferne.

Es folgte ein idyllischer Waldwanderweg, bevor wir den Haltepunkt Fleckertshöhe erreichten.

Nun folgte der nicht ganz so schöne Teil der Wanderung. Dieser führte auf einem asphaltierten Radwanderweg in Richtung des nächsten Bahnhofs.

Als wir da so neben den Schienen entlang wanderten tauchte wieder die Bahn auf ihrer Fahrt zurück nach Boppard auf. Ein wenig trostlos war der Weg ja jetzt schon. Mitten durch das Industriegebiet von Boppard-Buchholz. Leider gab es auch keine Alternative für diesen knapp 4 Kilometer langen Abschnitt zwischen Fleckertshöhe und Buchholz.

Trotzdem wirkte der Wanderweg diesmal ganz anders wie bei der Vorwanderung, so dass uns der Weg dann auch nicht als sonderlich lang vorkam.

Und schließlich war da ja noch das Wissen, dass sich das Bild bald kräftig ändern würde.

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Wächter in der Nähe des Friedwaldes bei Boppard-Buchholz

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Glück gehabt, die Bahn auf dem Hubertus-Viadukt

Kaum waren wir am Bahnhof Buchholz durch kam die Bahn bereits wieder zurück auf ihrem Weg nach Emmelshausen.

Dieser wirklich sehr schöne Teil der Wanderung begann erst mal noch mit Autobahnlärm. Doch bereits am Friedwald war dieser nahezu verstumm. Wir überquerten die Straße und folgten unserem Wegweiser weiter. Gleichzeitig folgten wir nun der Beschilderung in Richtung Traumschleife.

Und von einem Schritt zum nächsten hatte sich die Natur total verändert. Man sah nur noch ein grünes Tal vor sich. Wunderschön! Da tauchte nach einer Weile auch der Blick auf das Hubertus-Viadukt in ganzer Größe vor uns auf.

Weiter dem Weg folgend kamen wir nun zur Lieserhütte, wo wir wieder auf das Ehepaar samt Tütenwanderer trafen. Es war an der Zeit für eine zweite Rast und um diese Sicht zu genießen! Und dann hatten wir auch noch Glück, denn die Bahn kam wieder aus Emmelshausen zurück und befand sich auf den Weg nach Boppard.

Recht lange genossen wir diesen traumhaft schönen Platz, bevor wir uns in ein für uns nun unbekanntes Gebiet aufmachten.

Unbekannt deshalb, da uns bei der Vorwanderung die Zeit oder besser gesagt die Bahnabfahrt drückte. Deshalb waren wir einen anderen Weg gefolgt.

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In Natur ist die Ansicht noch sehr viel spektakulärer

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Die Bahn kommt immer, zumindest als wir dort Wandern waren

Heute aber folgten wir weiter der Hunsrückbahnwanderwegbeschilderung. Ich weiß jetzt gar nicht wie ich es beschreiben soll. Ja, dieser neue Weg war schön. Er führte durch einen schattigen Wald. Dadurch war es dort noch eher feucht. Dies wiederum führte dazu, dass der Weg teilweise sehr glitschig war und es ging bergab, was nicht ganz ungefährlich war.

Das was wir dann zu sehen bekamen war auch sehr schön, denn wir standen nun unter dem Hubertus-Viadukt und konnten das ganze Ausmaß von unten anschauen. Das war grandios!

Bald darauf kam dann jedoch die Ernüchterung! Nach dem langen ab unter das Viadukt wies uns bald der Wegweiser nach links. Und dieser Weg stieg dann wieder merklich in die Höhe!

Ein weiterer Höhepunkt stand bevor. Wir standen nun direkt über einem Tunnel der Bahn. Leider waren wir diesmal zu einer ungünstigen Zeit dort, denn diesmal wäre die Wartezeit zu lang um auf den Zug zu warten. Und, so große Bahnfans waren wir dann doch nicht, dass wir unbedingt auf die Durchfahrt hätten warten müssen.

Nachdem wir auch hier die Sicht ein wenig genossen hatten führte der Weg tatsächlich noch weiter hinauf. Oben angekommen erreichten wir nun wieder die Wegmarkierung der Traumschleife. Hier vereinte sich nun wieder die Streckenführung zwischen dieser und der Vorwanderung.

Nun war ich mal neugierig ob die Bäume, die vor einiger Zeit den Weg blockierten noch lagen oder ob diese inzwischen zur Seite geschafft worden waren. Immerhin lagen diese Hindernisse auf mindestens zwei markierten Wanderwegen, wovon einer als Premiumwanderweg mit etwa 80 von 100 Punkten prämiert war. Da sollte man eigentlich erwarten, dass solche Blockaden zügig von der Strecke kommen.

Diesbezüglich hatte ich nach unserem ersten Besuch des Wanderweges auch den Kontakt zum Tourismusverein aufgenommen und auf die quer liegenden Bäume hingewiesen. Als Antwort bekam ich die Information, dass der Bauhof aufgrund von vielen Unwetterschäden nicht mehr mit den Aufräumarbeiten nachkommen würde, man aber bemüht sei, die Schäden zu beseitigen.

Zumindest waren jetzt die Hindernisse etwas entschärft, so dass man die Bäume leichter queren konnte, Allerdings, richtig aufgeräumt und Wegeführung ohne Gefahr sieht dann doch anders aus!

Wenig später hatten wir den Traumblick Elfenlay erreicht, wo wir einen wunderbaren Blick ins Rheintal angeboten bekamen, welchen wir für einen Moment genießen konnten. Allerdings war der Platz genau heute so gut besucht, dass wir es vorzogen schon recht bald weiter zu Wandern.

Hier war es auch, wo wir mitbekommen hatten, dass sich das Ehepaar, welches wir zum ersten Mal in Emmelshausen getroffen hatten, vom Tütenwanderer verabschiedet hatte.

Für uns ging der Weg nun noch einmal steil hinauf. Von oben noch einmal ein prächtiger Blick ins Rheintal und dann war es soweit. Der allerletzte Abschnitt dieser sehr schönen Wanderung stand an.

Von nun an ging es nur noch Bergab. Immer wieder konnten wir dabei einen Blick auf Boppard genießen.

Wunderschön war es an einer Ecke, deren Name mir gerade entfallen ist. Zumindest hatte sich an dieser Stelle der Rhein in seiner ganzen Pracht vor uns gezeigt.

Hier konnten wir auch erzählen, dass wir an genau dieser Stelle bei unserer Vorwanderung noch genau zwanzig Minuten bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten, und dass es ab hier dann noch einmal besonders rasch zur Sache ging.

Nicht so heute. Da wir das Auto dabei hatten, konnten wir in aller Ruhe und Gelassenheit hinunter nach Boppard wandern.

Zuletzt kamen wir noch einmal direkt an den Schienen der Hunsrückbahn vorbei. Diesmal leider ohne Bahn, aber während der Wanderung hatten wir sie ja oft genug erblickt.

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Ist das nicht ein traumhafter Blick ins Rheintal

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So schön, dass es noch eines mit diesem tollen Blick gibt

Doch noch war unser schöner Wandertag nicht zu Ende. Noch hatten wir etwas zu erledigen! Unsere Abschlusseinkehr stand noch auf dem Programm.

Dazu dachte ich, wäre es ja ganz nett, wenn wir ein nettes Lokal am Rhein finden würden. So schlenderten wir noch zum Rhein um Ausschau nach einem netten Platz zu halten.

Zunächst gingen wir am ersten Lokal vorbei, fanden dann eines, was zwar nicht direkt am Rhein war, doch machte es einen netten Eindruck. Ein Blick auf die ausgehängte Speisekarte brachte uns dann jedoch vom Besuch dieses Restaurants ab.

Eigentlich wollte ich die anderen entscheiden lassen, da es mir immer arg schwer fällt, ein geeignetes Lokal zu finden, doch bevor wir noch allzu lange weitersuchen würden, schlug ich vor, dass Lokal zu nehmen, an dem wir als erstes vorbei kamen. Dies hatte einen netten, aber keinen gehobenen Eindruck gemacht. Lässt man sich von Äußerlichkeiten beeinflussen? Ein weiteres Argument war noch, dass die Bedienung Flip Flops trug, somit war klar, dass war nicht die gehobene Gastronomie.

Gesagt getan. Wir drehten um und fanden im Lokal einen schönen Platz direkt am Rhein. Hier ließ es sich aushalten! Damit brachten wir unsere Wanderung noch mit einem tollen Abschluss zu Ende.

Nach gutem Essen und netter Unterhaltung machten wir uns auf den Weg in Richtung Bahnhof und zum Auto. Dies war genau im richtigen Moment gewesen, denn für unseren Bahnfahrer fuhr vier Minuten später die Bahn nach Bingen. Und das, ohne dass wir dies gewusst und somit unseren rechtzeitigen Aufbruch geplant hatten. Manchmal trifft es tatsächlich zu, es fährt immer ein Zug.

Ohne Stau und hetze waren wir mit dem Auto dann kurz nach halb sieben zurück in Mainz, wo wir uns verabschiedeten. Witziger weise wünschte uns Gerald schon einmal ein schöne Adventszeit, ein ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins nächste Jahr, denn für ihn war es in diesem Jahr die letzte Wanderung mit den Streetmillboys. Ach ja, immer diese ganzen Termine!

Fazit: Eine schöne etwa 17 Kilometer lange Wanderung, die sogar fast nur bergab geht, wenn man von Emmelshausen nach Boppard wandert. Zwischendrin ein bisschen Industrie, aber man weiß ja, danach wird wieder alles gut! Und wenn man sich ausreichend Zeit für diese Tour nimmt, so hat man ein ganz tolles Naturerlebnis.

Wanderleitung: Hotti

Bericht und Bilder: Hotti