Bad Ems
notiert von Hotti

10. April 2016


Unsere Wanderung im April stand ganz im Zeichen der Kirschblüte. Dummerweise lässt die Natur aber nicht mit sich verhandeln und schon gar nicht lässt sie sich vorschreiben, wann bitteschön die Kirschblüte zu sein hat.

Entgegen der ersten Wanderungen im Jahr 2016 waren wir diesmal zu siebt, wobei es Anfang der Woche noch so ausgesehen hatte, als wären wir wieder eine sehr kleine Gruppe, hatte ich doch bis Freitag nur eine einzige Zusage gehabt.

Bevor wir loswandern konnten stand zunächst einmal unser Treffen mit gleichzeitiger Bildung von Fahrgemeinschaften an. Rasch waren wir aufgeteilt und schon konnten wir im Konvoi von zwei Fahrzeugen Richtung Bad Ems aufbrechen.

Ungefähr fünfundvierzig Minuten dauerte unsere Überland-Reise. Ein Parkplatz war zügig gefunden, so dass wir bald nach unserer Ankunft aufbrechen konnten zu unserer Wanderung, die in Bad Ems am Bahnhof losging.

Unter den Eisenbahnschienen hindurch die nächste Straße rechts gehend bekamen wir von der Kuratmosphäre des Städtchens Bad Ems nicht viel mit. Von der anderen Seite konnten wir diese nur erahnen.

Rasch waren wir an der ehemaligen Malbergbahn angekommen, welche im Jahr 1979 nach fast 100 Betriebsjahren stillgelegt wurde, da der Technische Überwachungsverein Mängel festgestellt hatte. Die Stilllegung sollte ursprünglich nur kurzfristig sein. Ende 1981 wurde die Bergbahn dann unter Denkmalschutz gestellt. Sie war, wie die Wiesbadener Nerobergbahn, die ja heute noch fährt, eine Wasserballastbahn. Schade, so wie es aussieht wird die Bahn wohl aus finanziellen Gründen nicht mehr fahren können. Aber es hat sich ein Förderverein gefunden, der derzeit die Talstation wieder herrichtet und auch ein Wagen sieht für seine Verhältnisse schon wieder ganz nett aus.

Doch die Malbergbahn war nicht unser Ziel, dies lag noch in weiter Ferne, zumal wir ja gerade erst gestartet waren.

Die gleiche Wanderung lag nun schon etwa zehn Jahre zurück. Damals war hier alles eine Baustelle gewesen und wir mussten teilweise über Bauleitern auf- und absteigen. Dies gehörte inzwischen der Vergangenheit an, denn ein schöner Weg führte nun oberhalb beziehungsweise über dem Straßentunnel entlang.

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Erstes Beschnuppern am Treffpunkt

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Immer der Gruppe nach

Oft ist es bei den Wanderungen so, dass man immer wieder etwas neues entdeckt, selbst wenn man die Wanderung erst vor einigen Wochen vorgewandert ist. So war es auch bei dieser Wanderung heute.

Diesmal war es eine Straßenkreuzung die mir beim letzten Mal nicht aufgefallen war. Eigentlich eine Kleinigkeit, doch zeigte es mir, dass man beim Wandern immer die Augen offen halten sollte, damit einem ja nichts entgeht.

Kurz vor einer Unterkunft des Bundesbahnsozialwerkes führte die Wegemarkierung nach links, wir wanderten jedoch rechts am Heim vorbei und erreichten kurz darauf eine Straße, deren Verlauf wir nun für ein gutes Stück folgten, bevor wir schließlich in einen Waldweg nach links abzweigten, wo schließlich unser erster kürzerer Anstieg vor uns lag.

Wir folgten dem Lahnhöhenweg links der Lahn, vorbei an Miellen.

An einer Kapelle oberhalb von Miellen nutzten wir die Chance um eine etwas längere Rast bei traumhaften Wetter einzulegen. Auch ein kurzer Blick in die Kapelle hinein durfte nicht fehlen.

Bei Wanderungen ist es in der Regel so, dass jede Rast irgendwann mal zu Ende ist, so auch diese. Wirt folgten nun den Weg hinab ins Tal, um unten angekommen nach links abzubiegen.

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Guten Appetit

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Auch den Herren einen guten Appetit

Jetzt folgte der eigentliche Höhepunkt dieser Wanderung, denn nun kamen wir ins Schweizertal, einem wildromantischen engem Tal das sich nach oben bis nach Frücht schlängelt.

Immer wieder weisen Hinweistafeln auf alte Mühlen hin. Man sollte sich für dieses Tal ausreichend Zeit nehmen und nicht einfach durch sausen ohne zu schauen! Ohne Hetze ist der Anstieg noch mal so angenehm. So blieben wir auch immer mal wieder stehen um das traumhaft schöne Tal anzuschauen. Zum Ende hin ist der Weg dann allerdings noch einmal extrem steil, deshalb sollte man sich die Kräfte ordentlich einteilen.

Am Ende des Schweizertals hatten wir schließlich den geplanten Höhepunkt der Wanderung erreicht. Die wunderschöne Kirschblüte der Kirschbaumallee von Frücht. Dumm war nur, dass die Allee nur noch aus geschätzten fünf Kirschbäumen bestand und eigentlich ganz dumm war, dass die Kirschblüte noch gar nicht soweit war.

Womit, achtung reine Theorie, die Touren beim ersten Mal immer noch am schönsten sind. In der Regel, so meine Erfahrung, ist es beim zweiten Mal meist nicht mehr so wie erwartet. So war es eigentlich auch diesmal, wobei gerade wegen des Schweizertals ist die Strecke immer wieder eine Wanderung wert. So war diese Wanderung, die wir Ende der 90er Jahre das erste Mal gewandert sind, immer noch am allerschönsten, da die Allee damals noch eine richtige lange Allee war und damals die Kirschblüte in voller Pracht gestanden hatte. Auch wenn die Kirschblüte noch ausstand, schön war es trotzdem.

Nachdem wir also die Blüte nicht bewundert, dafür aber auf einer neu aufgestellten Bank eine kurze Rast einlegt hatten, setzten wir unsere Wanderung nach Frücht fort.

Der Ort Frücht ist auf einer Taunushöhenlage 7 Kilometer von Bad Ems entfernt und hat ca. 650 Einwohner. Auch liegt in Frücht die Familengruft der Reichsfreiherren vom und zum Stein. Hier konnten die Wanderer einen Blick durchs Tour werfen.

Vorbei an einem kleinen jüdischen Friedhof gelangten wir kurz darauf an eine Straße, die wir überquerten und nun eine etwas weniger schöne Passage unserer Wanderung erreichten.

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Menno, ich will auch was zu Essen

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Im Schweizertal

Zunächst war noch alles fein, doch nachdem wir eine leichte, nicht allzu heftige Steigung, hinter uns gebracht hatten erreichten wir eine Schlammwüste. Wobei es bei der Vorwanderung noch wesentlich schlimmer gewesen war. Bereits bei der Vorwanderung hatten wir anhand des Kartenmaterials geprüft, ob und wie wir diese Stelle umgehen konnten, doch ohne weite Umwege wäre da nichts gegangen, so dass wir entschieden hatten den Weg wie geplant zu lassen und in den Wald auszuweichen. Dies funktionierte auch recht gut und es war ja auch nur ein kurzes Stück unserer Wanderung.

Schon wenig später hatten wir dann auch schon die Straße erreicht, die es nun zu überqueren galt. Dies war nicht arg schwer, denn der Verkehr hier war relativ überschaubar.

Nach der Straße schloss sich ein Wanderparkplatz an. Und hier gab es eine kleine Tischgruppe, wo wir uns zu einer weiteren Rast entschieden hatten.

Ein bisschen Essen, ein wenig Trinken und weiter ging es mit unserer Wanderung. Zunächst auf einer Wanderautobahn, einem breiten, jedoch nicht asphaltierten Forstweg, zog sich der Weg, da es nun eine ganze Weile einfach nur gerade aus ging.

Wir waren ein gutes Stück geradeaus gewandert, da holte uns ein leichter Schwenk nach rechts aus der Wanderroutine. Unser nächstes Ziel war der Malbergskopf mit einem begehbaren Aussichtsturm, von welchem aus man einen genialen Blick auf Bad Ems und sogar in den Westerwald hat!

Unterhalb des Turms konnten wir die Bergstation der anfangs beschriebenen Malbergbahn sehen. Der zweite Bergbahnwagen hier oben befand sich in einem katastrophalen Zustand, dem Geschwisterchen unten ging es da sehr viel besser.

Wie schade dass ein Denkmal so verkommen muss. Andererseits, welche Stadt kann sich heutzutage noch eine Bergbahn leisten. Dazu müsste auf dem Malberg dann wieder Gastronomie angesiedelt werden, wofür wiederum ein hoher Preis zu zahlen wäre. Und so verkommt eben eine Bergbahn und wird ihrem Schicksal übergeben. Ich bin mir sicher, wäre die Bahn nicht unter Denkmalschutz gestellt worden, so wäre diese lange fort.

Ein letzter Blick hinunter ins Tal und in den Westerwald durfte noch sein, dann wanderten wir weiter in Richtung Bad Ems. Von hier konnten wir auch das Lokal sehen, wo ich unsere Abschlusseinkehr vorgesehen hatte.

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Blick auf die Kirschallee

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Gruppenfoto zur Kirschblüte

Auf unserer Wanderung nach unten kam von einem Teilnehmer die Frage auf, ob jemand Lust hätte, in Wiesbaden am Treffpunkt unserer Fahrgemeinschaft noch zu Abend zu essen. Diese Frage hatte ich zufällig mitbekommen und fand die Idee nicht schlecht, so dass ich mich der Idee anschloss und die Frage an die Gruppe richtete.

Opfern müssten wir für diese Idee eine Fahrt mit der Bergbahn auf die Bismarckhöhe. Die Umfrage ergab, dass alle die Idee gut fanden, womit der Ausflug in den Westerwald gestrichen war. Wie gut dies war, dass sollten wir zu einem späteren Zeitpunkt noch merken.

Westerwald und Taunus. Das Geheimnis liegt in den beiden Bergen, getrennt durch die Lahn. Deshalb liegt der Malberg, wo wir gerade waren, im Taunus, während die Bismarckhöhe, wo eigentlich der Abschluss sein sollte, im Westerwald.

Der Weg vom Malberg nach Bad Ems hinunter war nicht gerade der angenehmste, gab es hier doch einige rutschige Passagen wegen des vielen Laubs.

Zwischendurch konnten wir noch einen Blick auf das zweigleisige Gleisbett der Malbergbahn werfen.

Unbeschadet erreichten alle schließlich wieder Bad Ems, wo wir am Bahnhof geparkt hatten.

Unser Hund Finn hatte sich auf dem Weg vom Malberg nach Bad Ems noch einmal so richtig in einer Schlammpfütze eingesaut. Die Verärgerung war groß, doch das hätte es gar nicht gebraucht, aber auch das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Also hieß es nun erst mal mit einem Handtuch den Finn so sauber wie möglich zu bekommen, was sich mit dem Schlamm als nicht ganz so einfach erwies. Aber nach etwa 15 Minuten war es geschafft und wir konnten den Heimweg nach Wiesbaden antreten.

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Im Hintergrund Bad Ems

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Der Westerwald vom Taunus aus gesehen

Zügig kamen wir durch, bis wir kurz nach Schlangenbad, die Auffahrt nach Rauenthal war bereits greifbar, durch einen Stau bis zum Stillstand abgebremst wurden. Offensichtlich ging hier gar nichts mehr. Schnell war klar, da hatte es vor kurzen einen Unfall gegeben, denn in der Ferne sahen wir Polizei und Rettungswagen stehen, welche die Straße blockierten.

Hätte, wäre, wenn! Normalerweise biege ich bei Schlangenbad immer ab um über Georgenborn und Frauenstein zu unserem Treffpunkt zu fahren, heute dachte ich, dass der Weg über die Autobahn schneller sein würde. Dies war nicht so, dafür wurde es nun aber abenteuerlich.

Die Polizei hatte die Straße noch nicht total gesperrt, dies stand aber unmittelbar bevor. Wir entschieden uns nach rechts abzubiegen und über Rauenthal zu fahren. Wochenende und Rauenthal, zwei extreme treffen aufeinander. Der Weinort war zum einen zugeparkt zum anderen schlängelten sich die Autos durch den Ort. Wir hatten etwas mehr Glück und kamen wesentlich besser durch wie die Fahrzeuge in Gegenrichtung.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir es geschafft und waren wieder auf der Hauptstraße. Dort sahen wir, dass es inzwischen zu einer Vollsperrung gekommen war.

Später konnte ich lesen, dass es zirka 15 Minuten vor unserem Eintreffen am Ende des Staus zu einem Motorradunfall gekommen war. Eine ältere Dame hatte die Kontrolle über ihren PKW verloren und war in ein Motorrad gefahren. Der Kradfahrer wurde durch den Zusammenstoß schwer verletzt.

Wäre Finn nicht in das Schlammloch gehüpft hätte es somit sein können, dass wir als einer der ersten am Unfallort gewesen wären oder aber vielleicht hätte es uns getroffen. Klar, reine Spekulation und ziemlich abwegig, aber nicht von der Hand zu weisen.

Somit erreichten wir schließlich mit erheblicher Verzögerung unseren Treffpunkt, waren aber alle der Meinung, wie gut es war, dass Finn noch einmal kurz vor dem Ende ein Moorbad genommen hatte.

So klang unser Wandertag bei einem leckeren Essen und feinen Getränken aus. Hinter uns lag eine tolle Wanderung mit schönen und nicht so schönen Wanderabschnitten. Gelohnt hat sich der Ausflug in jedem Fall!

Wanderleitung: Hotti

Bericht und Bilder: Hotti