Laubenheim
notiert von Hotti

13. November 2016


Noch am Anfang der Woche hatte es so ausgesehen, als würde die Wanderung der Streetmillboys am Sonntag, 13. November 2016 in Wasser fallen. Die Prognose sah arg regnerisch aus. So sehr, dass ich bereits in der Ankündigung die eventuellen Teilnehmer aufgefordert hatte, am Samstag vor der Wanderung noch einmal nach einer Nachricht von mir zu schauen, ob die Wanderung denn überhaupt stattfinden würde.

Im Laufe der Woche wurde es immer besser, so dass einer schönen Wanderung im Nahetal nichts mehr entgegen stand.

Die Rückmeldungen zu dieser Wanderung hätten etwas mehr sein dürfen. Insgesamt waren wir zu dritt, so dass ich mich mehr und mehr frage, ob es den Aufwand lohnt.

Der große Tag unserer vorletzten Wanderung war gekommen. Entgegen meiner ersten Planungen hatte ich nun die Anfahrt zum Wanderausgangspunkt mit der Bahn angekündigt.

So standen wir dann rechtzeitig und mit gutem Zeitpuffer und einer Gruppennetztageskarte des RNN am Wiesbadener Hauptbahnhof und warteten geduldig auf die Abfahrt unserer S-Bahn nach Mainz, die zu unserer Verwunderung noch nicht eingetroffen war. Na ja, Verspätungen sind ja nicht so ganz ungewöhnlich.

Schon mit etwas schlechterem Bauchgefühl schauten wir gebahnt auf die Anzeigetafel. Oh ha, Zug fällt aus! Auf dem Nebengleis stand noch die S 9, die zwar über Kastel fahren würde, mit welcher wir es aber noch rechtzeitig zum Mainzer Hauptbahnhof geschafft hätten, wenn wir ab Kastel mit dem Bus weiter gefahren wären.

Doch da, unsere Bahn nach Mainz wurde angezeigt. Weder Ausfall noch Verspätung stand auf der Tafel. Was fehlte, war die Bahn. Inzwischen war die S 9 mit einer kleinen Verspätung abgefahren.

Die Rücklichter der S-Bahn waren gerade verschwunden, da kam die erlösende Durchsage, dass unsere Bahn ca. 20 Minuten Verspätung hatte. Da schau her. Anschluss in Mainz ade. Aber da gab es ja noch die Regionalbahn in Richtung Darmstadt. Also hin zum Gleis dieser Bahn. Auf der Anzeigetafel stand lediglich, dass der Zug nicht überall hält. Was aber auch klar war, denn er hielt nie überall.

Fast pünktlich war der Zug dann auch eingetroffen. Es folgte die Ansage, dass auch dieser Zug nicht über Mainz Hauptbahnhof fahren würde. So ein Mist! Sollten wir mit der Vias bis Kastel fahren.

Einen Versuch wäre es wert. Also ab in den Zug. Mein Bauch sagte mir aber, dass wir damit den Anschluss in Mainz auf keinen Fall schaffen könnten.

Somit warf ich nun alle Planungen über den Haufen und sagte zu meiner Begleitung, dass wir das auch mit dieser Bahn nicht schaffen würden und bot an, dass wir mit dem Auto nach Bingen fahren könnten.

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Ein erster und eigentlich auch letzter Blick auf die Nahe

Bild 2

Blick auf Laubenheim (Nahe) von oben

Also wieder raus aus der Bahn hin zum Auto, dass ich glücklicherweise in Bahnhofsnähe geparkt hatte. Eigentlich wollte ich auch zum Bahnhof mit dem Bus fahren, hatte mich dann aber kurzfristig anders entschieden.

Nun mussten wir noch unseren dritten Teilnehmer über die Änderung informieren. Er stand ja in Mainz und wartete auf uns. Verflixt noch mal, wo war denn nun seine Telefonnummer und wie konnte ich über die Freisprecheinrichtung in meinem Auto telefonieren.

Oh, war ja doch ganz einfach, und ich hatte sogar die richtige Telefonnummer gespeichert. Gar nicht so gewöhnlich bei meinen Telefonkontakten. Nach etlichem Klingeln hatte ich sogar den gewünschten Teilnehmer am anderen Ende gehabt. Nur dass dieser mich leider nicht verstehen konnte, was wiederum der Tatsache geschuldet war, dass er unruhig am Mainzer Hauptbahnhof nach uns gesucht hatte und er gerade unter einem Lautsprecher stand, woraus eine laute Durchsage erfolgte. Damit waren auch wir überzeugt, er stand tatsächlich am Hauptbahnhof.

Zumindest konnten wir ihn jetzt beruhigen, dass er uns gar nicht finden konnte, denn wir saßen ja im Auto nach Mainz. Wir vereinbarten, dass wir uns am Mainzer Treffpunkt unserer Fahrgemeinschaft treffen würden. Schade für ihn, dass er den Weg vom Parkplatz zum Bahnhof umsonst gelaufen war.

Wenig später hatten wir unseren Treffpunkt erreicht und nach einer knappen Viertelstunde waren wir vereint.

Jetzt fuhren wir mit dem Auto Gemütlich nach Bingen zum Hauptbahnhof, fanden einen für uns perfekten Parkplatz und konnten in aller Ruhe zum Bahnhof gehen, wo uns der Zug bereits erwartete. Zwar waren wir eine knappe halbe Stunde zu früh am Zug, was aber nicht schlimm war.

Viel schlimmer fand ich, dass uns diese dusslige Fahrt für zwei Haltestellen nun 9,30 € pro Person kostete. Die Alternative wäre gewesen, alles um eine Stunde nach hinten zu schieben, was wiederum den restlichen Zeitplan umgeschmissen hätte. So im Nachhinein glaube ich, dass ich der einzige war, der sich so darüber ärgerte. Klar es war nicht zu ändern, aber hätten wir in Wiesbaden rechtzeitig die Information erhalten, dass die nächste S-Bahn Verspätet sein würde, hätten wir es locker mit unserer Alternative geschafft.

So, genug über die Bahn geärgert, denn ab jetzt funktionierte alles. In sieben Minuten hatten wir Laubenheim an der Nahe erreicht. Hier war der Ausgangspunkt der Wanderung.

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Diesiger Blick, aber trotzdem schön

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Ein kleiner Ausschnitt auf die bunten Reben im November

Zunächst konnten wir einen Blick auf die Nahe genießen, die gemächlich direkt neben dem Bahnhof ihres Weges in Richtung Bingen zog.

Und schon die erste Steigung, denn vom Bahnhof aus führte unser Weg zunächst auf die Straße oberhalb. Nach einem kurzen Streifzug durch den Ort erreichten wir den Ortsausgang, überquerten die Straße und folgten nun eine ganze Zeit der Beschilderung des Rhein-Nahe Weinwanderweges.

Nach dem überqueren der Straße folgte sogleich ein kleinerer Anstieg, der sich wegen der Aussicht lohnte. Klar, es war auch dem Weg geschuldet, welchen wir zum Erreichen unseres Zieles wandern wollten.

Von hier oben hatten wir eine tolle Fernsicht. Leider etwas diesig, aber man kann ja nicht immer einen strahlend blauen Himmel haben.

Bald wechselte der Asphaltweg auf einen Wiesenweg, welcher uns in Richtung Münster-Sarmshem führte. Im Vordergrund sahen wir die Hunsrückautobahn. Okay, wir hörten sie auch.

Noch waren wir auf der Höhe und hofften auf eine Brücke zum queren der Autobahn. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt, denn anstelle einer Brücke führte uns der Weg nun hinab bis wir schließlich die Autobahn unterquerten.

Münster-Sarmsheim war erreicht. Wir kamen an der Stelle heraus, wo es zum Parkplatz der Trollmühle ging. Einst ein tolles Lokal, wo wir öfter unsere Abschlusseinkehr gemacht hatten. Heute gibt es das Lokal leider nicht mehr. Nun ist dort ein Flüchtlingswohnheim. Da wurden Erinnerungen an die guten alten Zeiten wieder wach.

Wie bereits bei der Vorwanderung war auch heute noch der ganze Ort eine Baustelle. Die Straße war aufgerissen und es sah so aus, als würde in diesem Jahr dort nichts mehr passieren.

Wir folgten weiter unserer Beschilderung, was übrigens eher Zufall war, denn bei der Planung zu dieser Wanderung wusste ich nicht, dass wir einfach nur der Beschilderung folgen mussten.

Es folgte nach einem sanften Anstieg ein heftiger Aufstieg. Kurz, aber mit reichlich Genuss. Nun wanderten wir kurz durch den oberen Teil des Ortes, bevor wir diesen schließlich verlassen hatten und immer weiter nach oben wanderten.

Schließlich hatten wir wieder einen Asphaltweg erreicht, der uns unserer Mittagsrast näher brachte.

Dies bot sich in einer am Weg stehenden Schutzhütte an. Für einen Moment ließ es sich hier aushalten und die mitgebrachte Vesper verzehren. Allerdings hielten wir es nicht allzu lange aus, zu sehr zog die Kälte durch uns.

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Ist es noch weit?

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Traumhaft gefärbte Wälder

Weiter ging es zunächst über einen Feldweg, bevor wir nun in den Wald eintauchten, einen kleineren Anstieg hinter uns brachten und schließlich einen tollen Blick auf ein Farbenspiel des Waldes werfen konnten. Einfach nur schön!

Den Weg weiter folgend erreichten wir nach einer Weile Weiler bei Bingen. Hier stand erneut eine Ortsdurchquerung mit anschließendem Anstieg an.

Hier war der Zeitpunkt der Trennung gekommen. Wir verließen nun den Rhein-Nahe-Weinwanderweg und wanderten weiter nach oben, während unsere bisherige Wanderung nach rechts abbog.

Bevor wir den Wald betraten, taten wir gut daran, die aufgestellte Sitzbank für eine kleine Trinkpause zu nutzen. Aufgrund der Kälte fiel auch dieser Stopp eher kurz aus.

Uns stand der letzte Anstieg bevor, der uns auf die Höhe von 368 Meter brachte. Allerdings, zu sehen war hier nichts, unser höchster Punkt befand sich mitten im Wald.

Ab jetzt ging es nur noch hinunter. Eine Weile konnten wir schöne Waldwege nutzen, welche zum Ende hin immer Steiler und durch das Laub und darunter liegende Steine immer glitschiger wurden.

Schließlich trafen wir auf die Fahrstraße im Binger Wald, welche zum Forsthaus Heilig Kreuz führte.

Hier fanden wir auch eine neue Markierung, die des Soonwaldsteiges, welcher wir nun folgen konnten.

Bevor wir schließlich herunter nach Bingen wanderten konnten wir einen ersten und letzten Blick auf den Rhein werfen, welcher sich nun vor uns auftat.

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Kaum waren wir stehen geblieben kamen sie alle angesaust

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Auch heute wieder ein wunderschöner Blick auf den Rhein

Von hier war es nicht mehr weit hinab nach Bingen. Zunächst folgten wir der Fahrstraße, bevor wir nach links auf einen schmalen Fußweg hinunter nach Bingen wanderten.

Eine Rutsche hinunter zum Schulgelände führte fast zur Versuchung, einmal wieder Kind zu sein und zu rutschen. Fehlte der Mut, die Angst vor schmutziger kalter Hose, Angst vor einer Blasenentzündung? Wir nahmen alle die Treppe.

Nach einmal rechts, einmal links, einigen Treppen und dann noch einmal rechts standen wir auch schon wieder am Auto. Die Wanderung war schon zu Ende.

Da es noch früh war, wollten wir die Zeit in Bingen noch nutzen um uns ein Heißgetränk kredenzen zu lassen. Und vielleicht ein Stück Kuchen?

Das Verhängnis oder besser gesagt, dass Laufen auf falschen Wegen, nahm damit seinen Lauf.

Erst einmal verstauten wir die Rucksäcke im Auto und machten uns auf den Weg. Geprägt von massiver Orientierungslosigkeit schlug ich vor, dass wir die Hauptstraße entlang wandern sollten um so in die Fußgängerzone zu kommen, wo sich ein mir bekanntes Café befand.

Nicht bedacht hatte ich hierbei, dass wir uns in Bingerbrück befanden, die Fußgängerzone aber in Bingen war. An einer Straßenkreuzung zeigte ein Hinweisschild hinunter in die Innenstadt.

Hier wurde mir klar, dass dieser Weg sehr viel länger war, als er hätte sein müssen. Ich beichtete. Auf Umwegen hatten wir nun die Nahebrücke erreicht und schließlich auch die Fußgängerzone. Dann das Café. Alles voll! Und jetzt? Nicht weit weg sahen wir ein großes Schild, Café! Also nichts wie dorthin.

Die Dame am Kuchenbüffet grüßte freundlich und nickte zustimmend, dass wir dort noch einen Platz bekommen würden.

So kamen wir also doch noch zu unserem Kaffee und Kuchen und konnten die Wanderung gemütlich ausklingen lassen.

Natürlich nicht ohne einen weiteren Spaziergang. Jetzt wussten wir ja, welchen Weg wir laufen mussten um nicht wieder einen großen Umweg zu machen.

Bild 9

Natürlich darf ein Bild aus dem Rheingau bei dieser Wanderung nicht fehlen

Bild 10

Es soll ja gerecht sein, deshalb noch ein Blick Richtung Assmannshausen

Ich weiß jetzt gar nicht, wie ich es erklären soll, aber irgendwie sollte man manche Strecken besser vorlaufen. Diesmal war der Weg richtig, aber doch falsch. Denn anstelle den Park am Mäuseturm zu nehmen, dachte ich, nehmen wir doch einfach den Weg neben dem Park um zur Brücke über die Gleise zu kommen. Guter Gedanke, schlecht in der Umsetzung! Es gab es sehr viel später eine Möglichkeit um auf die Brücke zu kommen. Durch den Park kurzer Weg, neben dem Park erst viel später eine Möglichkeit. Immerhin gab es dann irgendwann doch noch eine Treppe hinauf.

Und dann standen wir am Auto. War ja auch viel bequemer mit dem Auto, als mit dem Zug. Nach kurzer Fahrt über die Autobahn waren wir in Mainz und dann schließlich in Wiesbaden. Fast anderthalb Stunden früher, als wir es mit der Bahn gewesen wären.

Hinter uns lag ein schöner Wandertag. Wobei ich zugeben muss, dass ich die Wegstrecke bei der Vorwanderung irgendwie schöner fand, als bei unserer Hauptwanderung. Nicht schlecht, aber eben steigerungsfähig. Bei unserer Hunsrückwanderung von Emmelshausen nach Boppard war es damals genau umgekehrt. Da hatte ich die Vorwanderung nicht so schön gefunden, bei der Wanderung mit der Gruppe fand ich sie dann schön.

Bezüglich meiner Fotoauswahl zu dieser Wanderung und der Frage, weshalb es diesmal nur Landschaftsaufnahmen anzusehen gibt. Es ist nicht ganz einfach bei nur 3 Teilnehmern, wovon einer der Fotograf ist und ein weiterer darum gebeten hat, von ihm Fotos lediglich aus der von hinten Perspektive zu veröffentlichen, lebendige Aufnahmen zu veröffentlichen. Deshalb erfreut Euch an den Landschaftsaufnahmen.

Wanderleitung: Hotti

Bericht und Bilder: Hotti