Neujahrstour 2016
notiert von Hotti

1. Januar 2016


Einmal im Jahr brechen wir auf zu unserem Neujahrsspaziergang. Einmal im Jahr mache ich mir dann anschließend Gedanken darüber, was ich denn nun von unserem Spaziergang berichten könnte, denn so arg viel ändert sich ja nicht bei dieser Tour.

Auch im Jahr 2016 war dies nicht anders gewesen. Sogar das Wetter war ähnlich dem des Jahres 2015.

Und doch gibt es da etwas zu berichten, worüber ich mir in der letzten Zeit viele Gedanken gemacht habe, und so ein bisschen ein Leitmotiv für mein persönliches Jahr 2016 werden soll. Deshalb heute einmal ein etwas anderer Bericht passend zu der etwas anderen Wandergruppe!

Hierzu möchte ich Heinz Erhardt zitieren:

Ich könnte vor Glück eine
ganze Alle von Purzelbäumen schlagen


Warum dieses Leitmotiv? Wir regen uns über alles Mögliche auf, wissen aber gar nicht zu schätzen, wie gut wir es haben. Zum Beispiel unser Neujahrsspaziergang. Wir können Wandern gehen, wir können die Natur genießen, und wie schnell kann es vorbei sein.

Für manch einen nur für eine Weile, für andere wird es gar nichts mehr werden, da die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung macht, andere dürfen das Jahr gar nicht mehr erleben.

Deshalb freue ich mich darüber, wenn ich in die Natur kann, wenn ich Wandern darf und werde es tun, solange ich es kann.

Bild 1

Erster Blick zurück auf die 7. Brücke

Bild 2

Der erste heftige Anstieg dieser Wanderung

Und noch´n Zitat:

Zwang
Du mußt dich zu sehr vielen Dingen,
willst Du sie tun, geradezu zwingen!
Trotzdem wirkt das was dir gelungen
oft zwingend leicht und ungezwungen.


auch von Heinz Erhardt.

Tatsächlich muss ich manchmal zwingen für unsere Gruppe eine Tour zu organisieren, im letzten Jahr kam häufig der Gedanke dazu, für wen mache ich das eigentlich? Die Teilnehmer werden weniger, lohnt der Aufwand noch? Kaum einer, der eine Tour organisieren mag.

Und jetzt bin ich mir sicher, ja der Aufwand lohnt. Denn immer wieder durchwandern wir tolle Landschaften, kommen dorthin wo wir sonst nicht hinkommen würden. Und ja, ab und an kommen wir genau dann in die Natur, wo man allein sagen würde, bei dem Wetter gehe ich doch nicht raus!

Auch nicht zu vergessen ist, neben den Menschen, die schon seit Jahren unserer Gruppe die Treue halten und immer wieder mit wandern, kommen immer wieder neue hinzu, die man kennenlernen kann.

Deshalb werde ich die Streetmillboys auch weiter durch das 19. Jahr begleiten, darf einige Touren selbst leiten und freue mich auf die Wanderungen in der Gruppe, aber auch auf Wanderungen, die ich allein oder in kleinerer Gruppe machen darf.

Bild 3

Auf der anderen Seite werden wir später laufen

Bild 4

Dieses Bild darf bei keiner Neujahrstour fehlen, diesmal aber ohne Bewohner

So, nach diesem kleinen Umweg, den ich aber unbedingt loswerden wollte doch noch ein wenig zu unserem Neujahrsspaziergang über sieben Brücken rund um Mainz.

Wie immer war auch 2016 unser Treffpunkt an der Kasteler Reduit, wo ich traditionell die ersten Worte an die Gruppe richten durfte.

Auch traditionell ist es schon, dass ich mir vorher viele Gedanken darüber mache, was ich überhaupt sagen will, es dann immer so kalt ist, dass am Ende viel weniger sage. Traditionell ist auch, dass es erst mal einen Moment dauert, bis auch der letzte Begriffen hat, dass es erst los geht, wenn ich gesprochen habe.

Zwölf Teilnehmer waren es auch diesmal wieder. Wie im letzten Jahr. Sieben Brücken waren es auch diesmal wieder. Wie im letzten Jahr. Der Tisch am Weihnachtsbaum bei unserer Einkehr war es auch diesmal wieder. Wie im letzten Jahr.

Klingt das jetzt langweilig? Vielleicht! Aber so ist es überhaupt nicht gemeint! Jede Neujahrstour ist immer wieder etwas tolles. Ein ganz toller Jahresstart, verbunden mit vielen Fragen. Wird es ein gutes Jahr. Kommen alle Gesund durch das Jahr. Was werden wir in diesem Jahr für ein Wanderwetter haben. Fragen über Fragen, die zu diesem Zeitpunkt keiner beantworten kann und mag.

Nach der fünften Brücke, ich meine damit die Drehbrücke am Mainzer Winterhafen, legen wir noch ein paar Meter entlang des Rheines zurück, bevor wir dann nach links abbiegen um für ein kurzes Kaffeetrinken einen Zwischenstopp einzulegen.

Bild 5

Unser Grüppchen auf Wanderschaft

Bild 6

Unser obligatorisches Gruppenfoto auch für das Jahr 2016

So auch in diesem Jahr. Hier gab es in diesem Jahr dann doch etwas, was anders als in den Vergangenen Jahren war. Klar, wir hatten wieder unseren traditionellen Tisch am Weihnachtsbaum, den ich wie jedes Jahr speziell reserviere. Wobei, je länger ich darüber nachdenke, umso komischer wird die Situation, denn sie ähnelt Dinner for one. Jedes Jahr schreibe ich in meiner ersten Reservierungsmail, dass wir zu Kaffee und Kuchen kommen möchten, und eben auch die Frage, ob wir den besagten Platz haben können.

Daraufhin bekomme ich jedes Jahr eine Mail zurück, mit der Bestätigt wird, dass für die bestellte Anzahl an Personen reserviert sei. Mittlerweile klappt es sogar schon, dass ich nicht mehr die Antwort erhalte, aus der hervorgeht, dass sich die Herrschaften auf uns zum Abendessen freuen. Daraufhin wie jedes Jahr meine zweite Mail, nein, kein Abendessen, und ob es mit dem gewünschten Tisch klappt. Die Antwort dann wieder, zu Kaffee und Kuchen sei reserviert. Eine letzte Mail von mir mit der Frage ob es denn mit dem Tisch klappt wird dann schließlich positiv beantwortet.

Gerade kommt mir wieder mein eingangs zitiertes Verslein zum Thema Zwang von Heinz Erhardt in den Sinn.

Und doch war es in diesem Jahr anders als in den vergangenen Jahren. Irgendwie unkoordinierter. Nachdem wir alle einen Platz gefunden hatten kam der Kellner und nahm zunächst unsere Getränkebestellung auf. Wunderbar! Kuchen würde es zur Auswahl an einem Kuchentisch geben.

Nach und nach, eher schleppend trafen vereinzelt die Getränke ein. Der erste hatte bereits seinen Cappuccino, im Gegensatz der vergangenen Jahre sehr kleiner Portion ausgetrunken, bevor der letzte sein Fläschchen Wasser samt Gläslein serviert bekommen hatte.

Die größere Herausforderung bestand nun in der Kuchenbestellung. Nachdem wir an der Servicetheke darauf aufmerksam gemacht hatte, dass wir so gerne Kuchen bestellen würden, bevor er denn vergriffen sei, erbarmte sich schließlich die Kollegin des für uns zuständigen Kellners unsere Kuchenbestellung aufzunehmen.

Zwischenzeitlich war nun doch jeder mit Getränken versorgt gewesen.

Nach einer längeren Zeit erschien unser Kellner am Tisch und erklärte, er habe erfahren, dass wir eine Kuchenbestellung aufgeben wollte. Dies sei jedoch erst dann möglich, wenn alle ihre Getränke hätten, was ja jetzt so sei. Wir konnten ihm leider nur noch erzählen, dass wir die Bestellung bei seiner Kollegin aufgegeben hatten.

Rache ist süß, oder in unserem Fall sauer, denn nachdem wir bereits eine Weile auf den bestellten Kuchen gewartet hatten, stellte sich unser Kellner ans Kopfende und erklärte, dass der Kuchen nun leider ausverkauft sei, unsere Bestellung wäre aber vorgemerkt und sobald die Küche wieder Kuchen nachgelegt habe, würde tatsächlich unsere Bestellung berücksichtigt werden können!

Eine gefühlte Ewigkeit später war es dann soweit, wir bekamen unsere Süßspeise.

Als positiv denkender Mensch war ich demzufolge sehr dankbar, dass wir überhaupt noch Kuchen bekommen hatten. Es hätte ja, so wie im letzten Jahr, sein können, dass es gar keinen Kuchen mehr gab, oder alternativ Karottenkuchen, der übrigens gar nicht schlecht war.

Wieder eine gefühlte Ewigkeit später war es soweit! Das erste Essen, ein bestellter Feldsalat mit einigen Brotkrümmeln tauchte auf. Über den Preis kann ich mich bis jetzt noch nicht beruhigen.

Und tatsächlich fand auch das letzte Essen eine weitere Ewigkeit später seinen Besitzer. Dieser hatte bereits mitgeteilt, dass er zur Not auch alleine nach Hause finden würde.

Somit war unsere erste Einkehr in diesem Jahr 2016 noch steigerungsfähig, wobei der Erlebniswert war schon sehr hoch.

Bild 7

Brücke Nummer 4

Bild 8

Na, wo ist das Hundchen?

Gesteigert wurde die Situation dann am Ende, als es ans Bezahlen ging. Wobei es mich überrascht hatte, dass der Kellner plötzlich zum Kassieren kam. Da war mir glatt entgangen, dass einer unserer Gruppe entschieden hatte, dass es an der Zeit wäre nun weiter zu gehen.

Nun ist es ja so, dass die Akustik des Lokales nicht die beste ist. Als es nun darum ging, dass unsere Tischecke bezahlen sollte, ereilte uns tatsächlich eine Problematik. Entweder, wir würden unsere verzehrten Artikel dem Kellner zuschreien, oder aber der Herr Kellner würde einen Schritt näher an uns heran treten. Wir baten ihm um zweites, was er dann auch machte.

Wenige kurze Momente, es war wirklich nicht viel Zeit vergangen, stand der Herr Kellner nun wieder am Kopf des Tisches und fragte nach einem Getränk.

Wir erinnern uns kurz an die Akustik! Im Rahmen eines kurzen Stille Post Spieles hatten wir heraus gefunden, wer gemeint war.

So kam der Kellner erneut in unsere Ecke. Als dann mein Mann und ich an der Reihe des Zahlens waren, richtete mein Mann böse Blicke bezüglich des Trinkgeldes auf mich. War wohl etwas zu hoch, wobei 2,10 € für zwei Personen finde ich schon angemessen. Klar, ich hatte schon besseren Service, auch in diesem Lokal, erlebt, doch war ich ja froh, an einem Feiertag für die Gruppe einen Tisch zu bekommen, bedient zu werden und letztendlich auch etwas serviert zu bekommen. Wahrscheinlich bin ich einfach zu nett für die Welt und wahrscheinlich wäre es besser, zu sagen, wenn etwas nicht rund läuft, denn nur dann kann der andere etwas ändern.

Diese Blicke wiederum hatte der Kellner mitbekommen. Daraufhin sagte er hinsichtlich des Trinkgeldes: "Sie müssen nicht, wenn der Herr das nicht will!" Ich wollte aber, was ich ihm auch mitteilte.

Bild 9

Leerer Tisch, nicht unüblich bei unserer Einkehr

Bild 10

Auch dieses Bild darf bei keiner Neujahrstour fehlen, der Weihnachtsbaum

Durch die etwas längeren Wartezeiten verschob sich unser Aufbruch in diesem Jahr ein klein wenig nach hinten.

Nun war es nicht mehr weit bis zum Ende unserer Wanderung. Ein kurzer Spaziergang entlang des Rheins und schon war es an der Zeit, uns von einigen Mainzer Spaziergängern zu verabschieden. Diese hatten die siebte Brücke zu ihrer ersten Gemacht und machten sich nun direkt wieder auf den Heimweg.

Der Rest nahm sportlich die siebte Brücke auf sich und dann war er auch schon wieder vorbei, der traditionelle Neujahrsspaziergang, bei dem sich fast nichts von den Vorjahren unterschieden hatte.

Bleibt mir noch die Vorfreude auf viele Wanderungen bei hoffentlich gutem Wanderwetter im Jahr 2016.

Ach ja, da war ja noch ein Stichwort. Das Wetter! Anfangs hatten wir leichten Nebelniesel, der sich aber verzogen hatte, so dass wir unsere erste Tour des Jahres trocken ablaufen konnten. Glück gehabt, denn am nächsten Tag hätte es nur geregnet.

Wanderleitung: Hotti

Bericht und Bilder: Hotti